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FREIE WÄHLER FORDERN: GLYPHOSAT-FREIE LANDKREISE IN MECKLENBURG-VORPOMMERN

 

 

SCHWERIN/BRÜSSEL. Vor wenigen Tagen hat der EU-Ministerrat sich auf die letztmalige Verlängerung der Glyphosat-Zulassung bis 2022 verständigt. Nun fordern die Freien Wähler in Mecklenburg-Vorpommern von Landesregierung und Landkreisen, „zeitnah die Weichen zu stellen und gemeinsam mit den Landwirten glyphosat-freie Zonen zu beschließen“, bei entsprechender Beratung und Unterstützung der betroffenen Bauern. „Das Ende des Breitbandherbizids ist beschlossen - und als landwirtschaftlich starke Region tun wir gut daran, auf der Suche nach Alternativen die Nase vorne zu haben“, so Landesvorsitzender Gustav von Westarp. Ebenso wie Europaabgeordneter Arne Gericke hätte er sich „einen deutlich schnelleren Ausstieg gewünscht - auch zum Wohle unserer stark dezimierten Insektenvielfalt“. In einem Schreiben an Landesregierung und Landräte fordern die Politiker der Freien Wähler deshalb die „glyphosat-freien Regionen“ im Land. Bundeslandwirtschaftsminister Schmidt dagegen fordern sie „nach seinem ‚Brüsseler Harakiri‘“ zum Rücktritt auf.

 

Man könne, so Gericke, „sich mit einer schnellen Abkehr vom Auslaufprodukt Glyphosat auf eine Marktentwicklung vorbereiten, die zu erwarten und teilweise schon erkennbar ist: Das Markt- und Markenzeichen ‚Ohne Glyphosat‘“. Eine Großmolkerei in Bayern habe es bereits vorgemacht und selbst Landwirtschaftliche Handelshäuser verlangten inzwischen den Pestizid-Nachweis: „Nur saubere Ware bekommt den höchsten Preis.“ Damit, so Westarp, lasse sich die „Glyphosatfreiheit für die Landwirtschaft inzwischen in Heller und Pfennig berechnen - das kann und sollte man als Agrarland wie Mecklenburg-Vorpommern nicht ignorieren.“

 

Für von Westarp ist klar: „Die Mehrheit der Landwirte ist nicht blind gegenüber den Gefahren, die von dem Totalherbizid ausgehen. Wenn jedes Blatt und jeder Halm auf dem Feld totgespritzt wird, bevor die Nutzpflanzen anschließend auf diesem Acker in Monokultur wachsen, wird den Insekten und Kleinlebewesen der Lebensraum und die Nahrung entzogen. Mit nachhaltig negativen Folgen für den Landwirt: Die Populationsdichte sinkt dramatisch, die Artenvielfalt ist gefährdet. 80% der Insektenmasse soll inzwischen schon verschwunden sein und Ernteeinbußen lägen bei bis zu 45% bei Pflanzen, die auf Insektenbestäubung angewiesen sind.“

 

Solange Totalherbizide aber nicht verboten seien, stünden die Landwirte unter dem Druck, immer billiger produzieren zu müssen, immer mehr Arbeitsschritte durch Chemie zu ersetzen und für kurzfristige Ertragssteigerungen die Industrialisierung der Landwirtschaft zu beschleunigen: „Dem kann sich der Einzelne kaum entziehen. Hier muss die Politik für den Schutz des einzelnen Berufstands und der Allgemeinheit sorgen“, so die beiden Politiker.

 

In ihrem Schreiben an Landesregierung und Landräte schlagen die sie deshalb „Runde Tische“ zur Gründung „glyphosatfreier Landkreise“ vor. Das Landwirtschaftsministerium solle das mit einem entsprechenden Siegel und ergänzenden Informationskampagnen begleiten. „Die Kunden wollen Klarheit“, sagt Gericke, der für die Freien Wähler im Umweltausschuss des Europaparlaments sitzt: „Unsere Bauern im Land können diese Klarheit schaffen - mit Unterstützung der Politik.“ Und diese müsse über die reine Öffentlichkeitsarbeit hinausgehen: „Wir brauchen den Austausch und die Forschung zu alternativen Methoden“, sagt Gericke - und sieht dabei vor allem EU und Bund in der Finanzierungspflicht.

 

Mecklenburg-Vorpommern könne „eine Pionierrolle für Europa übernehmen“. Von Westarp kann sich gar die aktive Einbindung der Agrar-Lehrstühle an der Uni Rostock und der Hochschule Neubrandenburg vorstellen.

 

Insgesamt folgen Gericke und von Westarp mit ihrer Initiative einem Beschluss der Freien Wähler auf Bundesebene. Deren Parteitag hatte sich vor wenigen Wochen in einer Resolution klar für ein Verbot von Glyphosat ausgesprochen und sich ausdrücklich an die Seite der Landwirtschaft gestellt: „Kein Bauer produziert diesen wahrscheinlich krebserregenden Giftstoff - sie arbeiten damit, weil er erlaubt ist. Genauso aber werden die Landwirte neue Wege gehen - und wir tun gut daran, sie von Anfang an dabei zu unterstützen.“

 

Dabei verhehlen Gericke und von Westarp nicht ihre Enttäuschung über den „politischen Harakiri-Alleingang von CSU-Minister Schmidt: Sein unabgesprochenes Ja widerspricht nicht nur den Regeln der Bundesregierung - es hat uns einen aufgeweichten 5-Jahres-Plan beschert und den Landwirten einen Bärendienst erwiesen. Er sollte zurücktreten.“

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